40 Jahre im Ölfeld
40 Jahre im Ölfeld - Helmut Schneider

40 Jahre im Ölfeld

In vierzig Jahren erlebt man ja eine Menge. Unser Schichtführer Helmut Schneider hat uns ein paar Fragen beantwortet und auch einige Schätzchen aus seinem Fotoarchiv zu Verfügung gestellt.

Das Interview

Helmut, als du angefangen hast, gab es ja MB Well Services noch nicht. Wann war dein erster Tag?

Das ist richtig. Der Zusammenschluss von EEW und Koller Workover & Drilling ist ja noch nicht so lange her. Offiziell war mein erster Tag bei Koller der 1. Januar 1978. Aber da wurde natürlich nicht gearbeitet.

Kannst du dich noch an deinen ersten Arbeitstag auf der Winde erinnern?

Natürlich. Am 2. Januar war ich dann schon als Bühnenmann im Einsatz. Das war in Steimbke bei Nienburg/Weser. Dort habe wir Pumpgestänge aus- und eingebaut. Ich weiß noch genau; 7:00 Uhr war Arbeitsbeginn und bereits um 12 kam unser damaliger Betriebsleiter Herr Stedler und sagte wir sollen Feierabend machen, aber die vollen Stunden aufschreiben. Da habe ich gedacht: Das ist ja toll. So kann es weitergehen. Allerdings schob er dann nach: „Wir sehen uns dann 22:00 Uhr zur Nachtschicht in Suderbruch“. Das war dann nicht mehr so toll.

Wie waren die Arbeitsbedingungen damals und wie haben sie sich seitdem entwickelt?

Damals war es schon schwerer. Zum Beispiel gab es noch keine Hydraulikzangen. Wir haben die Rohrtouren noch von Hand verschraubt. Ich meine es ist auch heute noch kein Job für Weicheier, aber das war schon echt Knochenarbeit.
Wir haben mit einer Moorwinde gearbeitet. Die hatte ein Kettenfahrwerk, das auch gern mal eingesunken ist. Da hieß es erst mal Eisenbahnschwellen oder Birkenstämme schleppen und vorlegen. So haben wir uns dann vorwärtsbewegt. Wie die alten Ägypter beim Pyramidenbau.

40 Jahre sind eine lange Zeit. Warum bist du dem Ölfeld all die Jahre treu geblieben?

Das ist schnell beantwortet. Ich habe nie den Spaß an der Arbeit verloren, bis heute nicht. Man lernt auch ständig neue Leute kennen. Viele Freundschaften sind dabei entstanden und haben teilweise Jahrzehnte lang gehalten - bis heute.
Man sieht außerdem unglaublich viel. Manchmal bin ich dann eben am Wochenende nicht nach Hause gefahren, sondern hab mir was angesehen. Zum Beispiel war ich am Watzman oder an den Krimmler Wasserfällen. Andere müssen Urlaub für sowas nehmen.

Apropos reisen. Ich könnte mir vorstellen, dass das Familienleben ziemlich darunter leidet. Wie regelt man das?

Das ist nicht immer einfach. Da muss man von vorn herein ganz klarsehen. Montagetätigkeit heißt eben weg sein. Mit einem Partner, der einen gern ständig um sich haben möchte, funktioniert das nicht. Der größte Teil der häuslichen Arbeit und auch der Kindererziehung bleibt an der Frau hängen. Das muss sie mittragen, sonst hält die Beziehung nicht.

Du bist ja Schichtführer. Weshalb hast du dich für diese Ausbildung entschieden und wie gefällt dir diese Tätigkeit?

Ja, ich habe bereits im Herbst/Winter 1981 die Schichtführerausbildung gemacht. Wie ich dazu gekommen bin ist eine ganz lustige Geschichte.
Wir haben damals in Ascheberg am Plöner See gearbeitet. Nebenan war eine Anlage von RWE DEA im Einsatz. Irgendwann fehlte denen ein Bühnenmann und da habe ich einige Zeit ausgeholfen. Natürlich war das mit Koller abgestimmt. Irgendwann haben die mir angeboten, doch bei ihnen anzuheuern. Eine Mark mehr Stundenlohn. Das klingt nach heutigen Maßstäben lächerlich, war damals aber durchaus Geld. Der Herr Stedler hat irgendwie Wind davon bekommen und war nicht besonders erfreut. Er sagte dann: „Ich stufe dich eine Lohngruppe höher“. Das hieß knapp zwei Mark mehr Stundenlohn. „Dafür gehst du aber im Herbst zu Bohrmeisterschule und machst deinen Schichtführerschein“. So ist es auch passiert und ich bin Schichtführer geworden.
Geblieben bin ich es aus den gleichen Gründen, aus denen ich diesen Beruf bereits so lange ausübe. Ab und zu wurde der Wunsch an mich herangetragen, mich doch höher zu qualifizieren. Dann habe ich darüber nachgedacht, letztendlich aber dankend abgelehnt. Ich denke, dass ich genau auf dem Platz bin auf dem ich sein will.

Welche Eigenschaften sollte ein junger Mensch haben, der an einer Arbeit im Ölfeld interessiert ist?

Es sollte natürlich generell Interesse am Bohrgeschäft bestehen. Das hilft wie in jedem anderen Beruf ungemein. Die Arbeit im Freien und zwar bei jedem Wetter darf kein Problem darstellen. Ansonsten hält man das nicht lange durch. Damit kann man sich aber gut arrangieren. Es gibt zwar auch schon mal Mistwetter, aber die sonnigen, warmen Tage entschädigen einen im Gegenzug dafür. Andere sitzen dann halt in irgendeinem muffigen Büro.
Auch wenn das oft ein bisschen abgegriffen klingt, Teamgeist und Wachsamkeit sind elementare Eigenschaften für einen Crewman. Wenn jeder ein bisschen auf den anderen achtgibt, dann passieren auch keine Unfälle. Wir hantieren ja schließlich mit ziemlich schwerem Zeug.

Gibt es ein bis zwei Ratschläge, die du jungen Kollegen als erfahrener Profi an die Hand geben möchtest?

Ohne rechthaberisch klingen zu wollen: Wenn euch etwas nicht hundertprozentig klar ist, fragt einen erfahrenen Kollegen. Das hat nichts mit Versagen zu tun. Wir lernen durch zuhören und werden so jeden Tag sicherer. Ich habe das all die Jahre gemacht und bin stets gut damit gefahren. Eigentlich tue ich das auch jetzt noch manchmal. Was gestern richtig war, muss es ja nicht zwangsläufig auch heute noch sein.

Abschließend noch eine private Frage. Deine berufliche Laufbahn neigt sich ja langsam dem Ende zu. Worauf freust du dich im wohlverdienten Ruhestand?

Ein paar Monate will ich ja schon noch machen. Aber dann möchte ich die Freundschaften besser pflegen, die in den vielen Jahren entstanden sind. Selbstverständlich gedenke ich auch ein bisschen von dem Familienleben nachholen, dass über die Jahre zu kurz gekommen ist. Meine Frau hat mir allerdings schon aufgetragen mir ein Hobby zu suchen, bei dem ich nicht jeden Tag zu Hause hocke. Ich denke da wird sich was finden. Wäre auch nicht mein Ding, plötzlich tatenlos rumzusitzen. Ich bin ja noch nicht 90.

Helmut, vielen Dank für das nette Gespräch und alles Gute für dich.

War mir ein Vergnügen.

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